Corona und der Weg aus der Sucht


Wenn wir in Ostholstein an Sucht denken, dann ist dieses Thema ganz weit weg. Wir denken an Hamburg oder Berlin, an Christiane F., an Heroin und Chrystal Meth. Sucht hat aber viele Gesichter und ist häufig unter der Oberfläche verborgen.

Häufig ist es der Alkohol, der betäubt, wenn man den Halt verliert, die Probleme im Beruf oder in der Familie überhand nehmen oder man in eine finanzielle Schieflage gerät. Fast jeder von uns kennt jemanden, der alkoholabhängig ist oder war, der auf Grund einer Trunkenheitsfahrt seinen Führerschein verloren hat oder der mitten am Tag nach Alkohol gerochen hat.

Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums sind mit Blick auf Nikotin, Alkohol, Medikamente und den Konsum von illegalen Drogen ca. 16,5 Millionen Menschen von Abhängigkeit betroffen. Jeweils ca. weitere 500.000 Menschen sind online- und glückspielabhängig. Solche Statistiken sind wenig greifbar. Wenn wir diese Zahl jedoch auf die Gesamtbevölkerung umlegen, ist das jeder Fünfte. Im Kreis Ostholstein wären dies 42.000 Menschen.

Mit der Ambulanten und Teilstationären Suchthilfe (ATS) im Nordkreis und der Vorwerker Diakonie im Südkreis gibt es in Ostholstein zwei Suchtberatungen. Um uns über deren Arbeit, insbesondere unter den schwierigen Bedingungen der Corona-Pandemie zu informieren, hat die SPD-Kreistagsfraktion die Regionalleiterin der ATS Ostholstein, Frau Süphke, zu einer Onlinekonferenz eingeladen. Hierbei hat uns Frau Süphke berichtet, dass es für Betroffene von Sucht auf Grund der derzeit besonderen sozialen Isolation und der fehlenden stabilisierenden Faktoren zunehmend schwierig sei. Lang abstinente Betroffene seien wieder rückfällig geworden. Es sei auch ein erhöhter Beratungsbedarf zu verzeichnen. Dies gelte besonders auch im Hinblick auf die Mediensucht. Der Umstand, dass viele Eltern durch den langen Lockdown und das Homeschooling überlastet seien, führe zu einem erhöhten Medienkonsum bei Kindern und Jugendlichen.

Die ATS-Suchtberatung hält ihr Beratungsangebot auch unter den Corona-Bedingungen aufrecht. Die ambulante medizinische Reha findet weiter statt und auch die Wohngruppen haben Bestand. Hilfesuchende, ob Betroffene oder Angehörige, können sich jederzeit an die Suchtberatungen wenden. 2 Neben den wirtschaftlich bereits sichtbaren Folgen, wird die Corona-Pandemie auch derzeit noch nicht so sichtbare soziale Folgen haben. Als SPD Kreistagsfraktion wollen wir ein Bewusstsein für diese schaffen und unseren Teil zur Bewältigung der Folgen leisten. Wir werden das Gespräch mit den Beteiligten suchen und dort wo es notwendig ist, die Initiative ergreifen. Hierfür haben wir auch bereits die Suchtberatung der Vorwerker Diakonie zum Austausch eingeladen.

verfasst von Thomas Garken